Raffael 500 – Eine Würdigung zum 500. Todestag

Die großangelegte und aufwändig vorbereitete Raffael Ausstellung in Rom hätte die Schau des Jahres werden sollen: Wertvolle Leihgaben, teure Restaurierungen, interessante Gegenüberstellungen von Antike und Renaissance, prächtige Madonnen und mächtige Päpste. Ende letzter Woche wurde die Ausstellung im Quirinalspalast eröffnet, seit gestern ist sie wieder geschlossen, wie alle anderen italienischen Kultureinrichtungen. Schon bei unseren Dreharbeiten stand im Raum, dass das auf unbestimmte Zeit die einzige Möglichkeit sein könnte, die Ausstellung zu sehen: auf dem Bildschirm.

Stadtportrait Bonn

Kleine Stadt, großer Geist – zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven
mit Christian Scheib und Peter Waldenberger

Im Jahr 1989 feierte Bonn seinen 2000. Geburtstag. Die Stadt erinnerte damit an die Errichtung eines ersten befestigten römischen Lagers am Rhein. Ein Jahr später verlor die 300.000 Einwohnerinnen zählende Stadt ihren Status als Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland an Berlin. „In Bonn kommt das Gute stets von oben“ lautet ein neckischer Stadtspruch.

Doch das kleine Bonn hat sich wortwörtlich „behauptet“. Hier sitzen nicht nur viele Bundesbehörden und Ministerien, die UNO und börsennotierte Konzerne wie die Deutsche Post. Auch großdimensionierte und kostspielige Museen, Opern- und Festspielhäuser sind der Stadt aus der Zeit als Regierungssitz geblieben, so wie ein zarter Hauch von Weltgewandtheit.

Panther, Brillen, Pussyhats – Zum Thema Rosa

Rosa hatte in feministischen Kreisen lange ein Image-Problem. Denn, was assoziiert man gemeinhin mit dieser Farbe? Barbiepuppen, Mädchenrüschenkleider, Prinzessin Lillifee – die sanfte naive Weiblichkeit. Doch dann kamen die Girls der jüngsten Generation und machten die Farbe ihrer Kinderzimmer zum Symbol ihres Widerstandes. „Rosa kann jetzt Feminismus“ – titelten deutsche Zeitungen und in den USA gingen tausende Frauen mit rosa Wollmützen, den „Pussyhats“ in Protestmärschen gegen Trump auf die Straße. Früher war ja alles anders. Wenn ein Baby vor 100 Jahren rosa angezogen war, dann war es ein Bub. Rosa ist das „kleine Rot“ und Rot wurde mit Leidenschaft, Blut, aktivem Eros und Kampf assoziiert – also männlich. Blau hingegen, als Farbe der Madonna, gehörte den Frauen. Mädchen trugen das „kleine Blau“, also hellblau. Erst nach dem ersten Weltkrieg wurde die Farbe Blau zum Symbol für die Arbeits- und Männerwelt, wegen des Blaumanns, des blauen Arbeitsanzugs, wegen der Uniformen. Die Farbe als Symbol hält zwar länger als der letzte Modeschrei, aber offenbar nicht ewig. Dem Schwein ist das egal und der rosarote Panther genießt schlacksig sein androgynes Image. Diagonal über eine Farbe der vielfachen Zuschreibungen, Umschreibungen und Variationen, die grundsätzlich eher Positives und Helles verspricht – der dazugehörigen Brille sei Dank.

Stadtportrait Manaus

Eine Sendung von Ines Mitterer, Ulla Ebner und Peter Waldenberger

In den letzten Monaten ist die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas wieder in den Nachrichten. Bewusst gelegte Brände bedrohen die grüne Lunge dieser Erde und die zumeist indigene Bevölkerung, die dort lebt. Der amtierende Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro selbst ermutigt zu Brandrodungen, um Flächen für die Wirtschaft zu gewinnen. Wenn der Amazonas der Körper ist, von dessen Gesundheit weltweit viel abhängt, dann ist Manaus jener Ort, an dem man diesem Körper den Puls messen kann. Nach wie vor ist die Stadt nur über Wasser oder Luft zu erreichen. Knapp mehr als zwei Millionen Einwohner, unwirtliches Klima, viel zu heiß, viel zu feucht, zieht Manaus nicht unbedingt Scharen von Menschen an – weder Touristen noch Migranten.

Philosophin des Fleisches. Zur Person Doris Uhlich, Tänzerin.

Körperteile in einem großen Glaszylinder. Nebel. Man sieht wie eine Handfläche gegen das Glas drückt, die äußere Seite des Unterschenkels. Brüste. Ein schemenhaft erkennbarer Körper im Reagenzglas. Die 42-jährige Tänzerin und Choreografin Doris Uhlich ist da in dem engen Gefäß eine gute Stunde eingesperrt und für alle sichtbar. Sie probiert sich aus, ringt mit den Bedingungen ihres Körpers und des Raumes. Beklemmend und befreiend. Die Österreicherin ist eine der erstaunlichsten Tänzerinnen und Choreografinnen der Gegenwart und sie lässt gerne das Fleisch wackeln, egal ob ihr eigenes, das von älteren Menschen, Tänzern im Rollstuhl, ehemaligen Balletttänzern, Profis und Laien, am liebsten nackt. Der voyeuristische Blick zerschellt dabei an der ersten Bewegung. Schönheitsideale, Hierarchien, Geschlechterzuschreibungen, Codes, Normierungen sind bei dieser „Philosophin des Fleisches“ zum Zerlegen da. Ihr Werkstoff dabei: der Körper. Ihr Vorgehen: direkt, lustvoll, stark, überwältigend. Ihre Überzeugung: „Wir lagern die Welt ein, in unserem Denken und in unserem Körper, in unserem Fleisch. Wenn man das Fleisch in Bewegung bringt, bringt man auch die Einlagerungen in Bewegung, dann bewegt man die Gegenwart.“

Die Sounds in den Beiträgen zu „Everybody Electric“ und „Habitat“ sind Ausschnitte aus DJ-Sets, die Boris Kopeinig für die Stücke von Doris Uhlich zusammengestellt hat.

Caravaggio & Bernini rocken Rom

Was die beiden verbindet, ist eine neue Aufmerksamkeit für die wirklichkeitsnahe Naturdarstellung und für das Pathos großer Gefühle. Denn menschliche Regungen in Kunst zu übersetzen wurde erst im Barock entdeckt.

Dramatik & Leidenschaft, Exzentrik & ganz große Emotionen verstehen die beiden weltberühmten Protagonisten trefflich in Szene zu setzen. Caravaggio und Bernini sorgten mit ihrer neuartigen Ausdrucksweise ebenso wie mit ihrem unkonventionellen Lebensstil in Rom für Furore.

Pierre Bonnard – eine Verabredung mit der Natur

Der Maler, ein Erbe der Impressionisten feiert die Malerei an sich, die Farben, die Farbschichten, die Kompositionen. Die Motive, immer die gleichen, bedeuten ihm nichts.
„Bonnard malt nur Glück“ schrieb ein zeitgenössischer Kritiker.
Immer ein wenig im Windschatten der Impressionisten und der Revoluzzer á la Picasso, malte sich Pierre Bonnard in seinem Refugium nahe Cannes an der Cote D’ Azur die Unzumutbarkeiten dieser Welt vom Leib und schuf dabei Werke von grandioser Zeitlosigkeit und Intimität.

„Muh!“ – Diagonal zum Thema Kuh

Wanderern oder Rindviechern – wem gehört die Alm? Was ist es mehr, das Rindvieh: Klimakiller oder Nahrungsgrundlage? Welche Kuh traf Ötzi beim Herumwandern in den Alpen? Warum nannten die alten Griechen ihre Muttergöttin Hera „kuhäugig“ und meinten das als Kompliment? Wie viele Liter Speichel produziert ein Rindvieh am Tag? Warum gäbe es heute ohne Sikhs keinen Parmesan? Haben Kühe Höhenangst? Welcher deutsche Dichter hat ein Sonett über eine scheißende Kuh verfasst? Was passiert mit alten Kühen unter einer ultrareligiösen Hinduregierung – und warum gibt es deshalb mehr Rindfleisch auf den Tischen in Bangladesh? Klandestine Kuhmigration? Wie sprechen die Kühe in Finnland? Und: Wer könnte diesem Augenaufschlag widerstehen? Seit 10.000 Jahren ist sie unsere Lebensabschnittspartnerin und übrigens alles, nur nicht dumm! Was Sie schon immer über die Kuh wissen wollten und nicht zu fragen wagten – an diesem Samstag erfahren Sie (fast) alles.

Caetano Veloso und Brasilien wohin?

Brasilien wohin?
Das politische und musikalische Engagement des Caetano Veloso
Seit 1. Jänner regiert der Rechtspopulist Jair Bolsonaro das größte und wohl mächtigste Land Lateinamerikas.
Laut Umfragen erwarten sich rund zwei Drittel der Brasilianer mit seiner Wahl eine gute Präsidentschaft. Doch seit seiner Amtsübernahme klaffen die Wahrnehmungen auseinander.
Bolsonaro hetzt gegen Frauen, Homosexuelle und ethnische Minderheiten. Indigene Völker hat er mit „Zootieren“ verglichen. Ihre Schutzgebiete sind bedroht, seit der Ex-Militär an der Macht ist.
Künstler bezeichnet er als „vagabundos“, als Schmarotzer, die nur Fördergelder absahnen, um ihren Schund zu produzieren. Über sein Lieblingsmedium Twitter verkündete Bolsonaro: „Die Kulturförderung wird erhalten bleiben, aber für talentierte Künstler.“ Schon am zweiten Tag seiner Präsidentschaft schaffte er somit kurzer Hand das Kulturministerium ab. Ein symbolischer Akt, um Kulturschaffende mundtot zu machen?
Denn die meisten Künstler Brasiliens stellten sich schon im Wahlkampf gegen Bolsonaro, darunter die international bekanntesten Musiker des Landes, Gilberto Gil, Caetano Veloso und
Schon als junge Männer waren sie im Widerstand gegen Brasiliens Militärdiktatur, die von Bolsonaro bei jeder Gelegenheit verteidigt wird.
Gemeinsam mit 300 Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern unterzeichneten sie das Manifest „Demokratie, ja“. Bolsonaro sei eine „Gefahr für das zivilisatorische Erbe Brasiliens“, hieß es darin, man müsse die Toleranz verteidigen.
Einer der einflussreichsten Künstler ist der Sänger, Komponist und Liedermacher Caetano Veloso. Er revolutionierte die „Musica Popular Brasileira“ und kreierte gemeinsam mit Gilberto Gil den sogenannten „Tropicalismo“.
Im vergangenen Herbst warnte er eindringlich vor einer neuen Welle von Angst und Hass, die durch den neuen Rechtsruck in seiner Heimat entsteht.
Im Interview in Rio de Janeiro erzählt Caetano Veloso vom Kulturkampf in Brasilien und von seiner Europa-Tournee, die ihn gemeinsam mit seinen Söhnen Moreno, Zeca und Tom auch Ende Juni nach Wien ins Konzerthaus führen wird, um sein neues Album „Ao Vivo Ofertorio“ vorzustellen.