Stadtportrait Bonn

Kleine Stadt, großer Geist – zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven
mit Christian Scheib und Peter Waldenberger

Im Jahr 1989 feierte Bonn seinen 2000. Geburtstag. Die Stadt erinnerte damit an die Errichtung eines ersten befestigten römischen Lagers am Rhein. Ein Jahr später verlor die 300.000 Einwohnerinnen zählende Stadt ihren Status als Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland an Berlin. „In Bonn kommt das Gute stets von oben“ lautet ein neckischer Stadtspruch.

Doch das kleine Bonn hat sich wortwörtlich „behauptet“. Hier sitzen nicht nur viele Bundesbehörden und Ministerien, die UNO und börsennotierte Konzerne wie die Deutsche Post. Auch großdimensionierte und kostspielige Museen, Opern- und Festspielhäuser sind der Stadt aus der Zeit als Regierungssitz geblieben, so wie ein zarter Hauch von Weltgewandtheit.

Panther, Brillen, Pussyhats – Zum Thema Rosa

Rosa hatte in feministischen Kreisen lange ein Image-Problem. Denn, was assoziiert man gemeinhin mit dieser Farbe? Barbiepuppen, Mädchenrüschenkleider, Prinzessin Lillifee – die sanfte naive Weiblichkeit. Doch dann kamen die Girls der jüngsten Generation und machten die Farbe ihrer Kinderzimmer zum Symbol ihres Widerstandes. „Rosa kann jetzt Feminismus“ – titelten deutsche Zeitungen und in den USA gingen tausende Frauen mit rosa Wollmützen, den „Pussyhats“ in Protestmärschen gegen Trump auf die Straße. Früher war ja alles anders. Wenn ein Baby vor 100 Jahren rosa angezogen war, dann war es ein Bub. Rosa ist das „kleine Rot“ und Rot wurde mit Leidenschaft, Blut, aktivem Eros und Kampf assoziiert – also männlich. Blau hingegen, als Farbe der Madonna, gehörte den Frauen. Mädchen trugen das „kleine Blau“, also hellblau. Erst nach dem ersten Weltkrieg wurde die Farbe Blau zum Symbol für die Arbeits- und Männerwelt, wegen des Blaumanns, des blauen Arbeitsanzugs, wegen der Uniformen. Die Farbe als Symbol hält zwar länger als der letzte Modeschrei, aber offenbar nicht ewig. Dem Schwein ist das egal und der rosarote Panther genießt schlacksig sein androgynes Image. Diagonal über eine Farbe der vielfachen Zuschreibungen, Umschreibungen und Variationen, die grundsätzlich eher Positives und Helles verspricht – der dazugehörigen Brille sei Dank.

Stadtportrait Manaus

Eine Sendung von Ines Mitterer, Ulla Ebner und Peter Waldenberger

In den letzten Monaten ist die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas wieder in den Nachrichten. Bewusst gelegte Brände bedrohen die grüne Lunge dieser Erde und die zumeist indigene Bevölkerung, die dort lebt. Der amtierende Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro selbst ermutigt zu Brandrodungen, um Flächen für die Wirtschaft zu gewinnen. Wenn der Amazonas der Körper ist, von dessen Gesundheit weltweit viel abhängt, dann ist Manaus jener Ort, an dem man diesem Körper den Puls messen kann. Nach wie vor ist die Stadt nur über Wasser oder Luft zu erreichen. Knapp mehr als zwei Millionen Einwohner, unwirtliches Klima, viel zu heiß, viel zu feucht, zieht Manaus nicht unbedingt Scharen von Menschen an – weder Touristen noch Migranten.

„Muh!“ – Diagonal zum Thema Kuh

Wanderern oder Rindviechern – wem gehört die Alm? Was ist es mehr, das Rindvieh: Klimakiller oder Nahrungsgrundlage? Welche Kuh traf Ötzi beim Herumwandern in den Alpen? Warum nannten die alten Griechen ihre Muttergöttin Hera „kuhäugig“ und meinten das als Kompliment? Wie viele Liter Speichel produziert ein Rindvieh am Tag? Warum gäbe es heute ohne Sikhs keinen Parmesan? Haben Kühe Höhenangst? Welcher deutsche Dichter hat ein Sonett über eine scheißende Kuh verfasst? Was passiert mit alten Kühen unter einer ultrareligiösen Hinduregierung – und warum gibt es deshalb mehr Rindfleisch auf den Tischen in Bangladesh? Klandestine Kuhmigration? Wie sprechen die Kühe in Finnland? Und: Wer könnte diesem Augenaufschlag widerstehen? Seit 10.000 Jahren ist sie unsere Lebensabschnittspartnerin und übrigens alles, nur nicht dumm! Was Sie schon immer über die Kuh wissen wollten und nicht zu fragen wagten – an diesem Samstag erfahren Sie (fast) alles.

Caetano Veloso und Brasilien wohin?

Brasilien wohin?
Das politische und musikalische Engagement des Caetano Veloso
Seit 1. Jänner regiert der Rechtspopulist Jair Bolsonaro das größte und wohl mächtigste Land Lateinamerikas.
Laut Umfragen erwarten sich rund zwei Drittel der Brasilianer mit seiner Wahl eine gute Präsidentschaft. Doch seit seiner Amtsübernahme klaffen die Wahrnehmungen auseinander.
Bolsonaro hetzt gegen Frauen, Homosexuelle und ethnische Minderheiten. Indigene Völker hat er mit „Zootieren“ verglichen. Ihre Schutzgebiete sind bedroht, seit der Ex-Militär an der Macht ist.
Künstler bezeichnet er als „vagabundos“, als Schmarotzer, die nur Fördergelder absahnen, um ihren Schund zu produzieren. Über sein Lieblingsmedium Twitter verkündete Bolsonaro: „Die Kulturförderung wird erhalten bleiben, aber für talentierte Künstler.“ Schon am zweiten Tag seiner Präsidentschaft schaffte er somit kurzer Hand das Kulturministerium ab. Ein symbolischer Akt, um Kulturschaffende mundtot zu machen?
Denn die meisten Künstler Brasiliens stellten sich schon im Wahlkampf gegen Bolsonaro, darunter die international bekanntesten Musiker des Landes, Gilberto Gil, Caetano Veloso und
Schon als junge Männer waren sie im Widerstand gegen Brasiliens Militärdiktatur, die von Bolsonaro bei jeder Gelegenheit verteidigt wird.
Gemeinsam mit 300 Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern unterzeichneten sie das Manifest „Demokratie, ja“. Bolsonaro sei eine „Gefahr für das zivilisatorische Erbe Brasiliens“, hieß es darin, man müsse die Toleranz verteidigen.
Einer der einflussreichsten Künstler ist der Sänger, Komponist und Liedermacher Caetano Veloso. Er revolutionierte die „Musica Popular Brasileira“ und kreierte gemeinsam mit Gilberto Gil den sogenannten „Tropicalismo“.
Im vergangenen Herbst warnte er eindringlich vor einer neuen Welle von Angst und Hass, die durch den neuen Rechtsruck in seiner Heimat entsteht.
Im Interview in Rio de Janeiro erzählt Caetano Veloso vom Kulturkampf in Brasilien und von seiner Europa-Tournee, die ihn gemeinsam mit seinen Söhnen Moreno, Zeca und Tom auch Ende Juni nach Wien ins Konzerthaus führen wird, um sein neues Album „Ao Vivo Ofertorio“ vorzustellen.

35 Jahre Diagonal

Ein glamouröser Betriebsausflug aus gegebenem Anlass hätte dem aktuellen Sendungsteam wohl gefallen. Vielleicht in die Avenida Diagonal in Buenos Aires. Lange Zeit schon hängt ein Plakat an unserer Redaktionstür im Funkhaus – darauf zu sehen: das Bild eines Supermarktes in dieser Straße. Darunter der Schriftzug: „Supermarché Diagonal“. Diagonal, der Radio-Bauchladen – wie passend.
Eine Sendung mit Peter Waldenberger, Johann Kneihs, Christian Scheib sowie Wolfgang Kos und Michael Schrott

HERstory. Die andere Geschichte der letzten 500 Jahre

Geschichte ist männlich. Ein Glück, wenn man auf Millionen Seiten (!) der Geschichtsschreibung auch Frauennamen findet – abgesehen von den paar Herrscherinnen, die herrschen durften, weil es keine männliche Alternative gab. Seltsam, waren doch schon immer an die 50% der Menschheit weiblich. Kann es sein, dass sie nichts beigetragen haben zu Wissenschaft, Kunst, Literatur, Gesellschaft, Politik, diese Frauen? Die Wahrheit ist freilich eine andere: man muss nur die weiblichen Spuren freilegen. Erst vor nicht langer Zeit hat man damit begonnen, jetzt ist es sogar eine Art Trend: Ausstellungen und Bucherscheinungen widmen sich den Errungenschaften des „anderen Geschlechts“. Diagonal widmet sich mit diesem ersten Teil einer losen Reihe den „Alternative Truths“ – jene nämlich, die da sind, aber nicht gesehen werden. Denn, gegen den Strich interpretierte Fakten können ein völlig neues Bild der Welt ergeben. Warum also nicht die Perspektive wechseln? Diagonal betrachtet die Neuzeit aus weiblicher Perspektive. Mit einem aus Fakten destillierbaren Blick, der abweicht, erweitert, sich von Tradiertem unterscheidet. Es lohnt etwa ein Fokus auf die umsturzgetriebenen Jahrzehnte zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert, zwischen Feudalismus und aufkeimendem Bürgertum, zwischen Barock und Klassik, Aufklärung und Revolution, zwischen den zu Lebzeiten berühmten Malerinnen Artemisia Gentileschi und Marie Louise Élisabeth Vigée-Lebrun, den Wissenschafterinnen Emilie du Chatelet und Margaret Cavendish, den Komponistinnen von Maddalena Casulana Mezari über Barbara Strozzi zu Lili Boulanger und einigen Frauen mehr – alternative Wahrheiten, die wir schleunigst in unser konventionelles Geschichtsbild einbauen sollten.

Die dunklen Jahre sind vorbei. Stadtportrait Bogotá

Die dunklen Jahre sind vorbei. Diagonal-Stadtporträt Bogotá. Eine Sendung von Ines Mitterer und Johann Kneihs

Die Bombe, die in einer Polizeischule der kolumbianischen Hauptstadt am 17. Jänner 21 Menschen tötete, kam unerwartet. Denn seit dem historischen Friedensvertrag mit der Guerillabewegung FARC im Jahr 2016 war Bogotá aufgeblüht: mit neuem Leben auf Straßen und Plätzen, in den historischen Gassen, in den hippen Cafés, Parks und Grünräumen der Metropole hoch oben in den Anden auf 2.640 Metern Seehöhe. Anders als das benachbarte Venezuela, aus dem aufgrund der prekären politischen und wirtschaftlichen Lage, eine Million Menschen ins Land geflüchtet sind, entwickelt sich Kolumbien mit seiner Hauptstadt Bogotá deutlich in Richtung besseres Leben. Die neue Bombe, der Rebellengruppe ELN zugeschrieben (was deren Führung aber bestritt), war eine Erinnerung an eine düstere Vergangenheit: Ein halbes Jahrhundert lang hatte Bürgerkrieg geherrscht; Kämpfe um die Vorherrschaft im Drogenhandel und die Gewalt der Kartelle machten Kolumbien zusätzlich gefährlich. Inzwischen soll die Hauptstadt dagegen eine der sichereren des Kontinents sein, und inzwischen sogar ein attraktives Reiseziel.In anderem erscheint Bogotá aber als typische lateinamerikanische Metropole: Rasantes Wachstum innerhalb weniger Jahrzehnte, auf derzeit acht Millionen Einwohner in den Stadtgrenzen und elf Millionen im Großraum kennzeichnet sie ebenso wie ein enormes Verkehrsproblem, vorübergehend gelindert durch die Einführung des Expressbusses Transmilenio auf eigenen Spuren. Die sozialen Probleme der Stadt sind räumlich klar geordnet: im Norden die wohlhabenden Vierteln, im Süden die ärmlichen. Die Konflikte in den Regionen Kolumbiens haben Hunderttausende Menschen in städtische Elendsviertel getrieben. Emigranten und Emigrantinnen auch aus nicht-spanischsprachigen Ländern haben das kulturelle Leben in Bogotá mitgestaltet. Am bekanntesten wurde der litauischstämmige Bürgermeister Antanas Mockus, der in seinen Amtszeiten die gesellschaftliche Modernisierung mit unkonventionellen Methoden vorangetrieben hat. Unter ihnen sind aber auch der Architekt und Stadtplaner Karl Brunner so wie 526 weitere Österreicher/innen in der Zeit zwischen 1934 und 1942. Nach dem „Anschluss“ war Kolumbien eines von wenigen Ländern, die Flüchtlinge aus Österreich aufgenommen haben.

Der Maler Mark Rothko in Wien

Der Maler Mark Rothko in Wien
Sie ziehen alle Blicke von Ausstellungsbesuchern auf sich – die leuchtenden, farbintensiven und großformatigen Gemälde von Mark Rothko.
Nie waren seine Arbeiten in so geballter Form in Österreich zu sehen, jetzt zeigt das Kunsthistorische Museum vierzig seiner wichtigsten Werke und bietet einen Überblick über das gesamte Schaffen des 1970 verstorbenen Künstlers.
Mark Rothko, der in seiner Kindheit mit seinen Eltern aus Lettland in die USA emigriert war, hat sich zeitlebens mit der Kunst der Vergangenheit auseinandergesetzt, hat Europa bereist und die alten Meister von Michelangelo bis Rembrandt eingehend studiert.
Die Ausstellung im KHM macht die radikale Entwicklung Rothkos sichtbar – von frühen figurativen Arbeiten hin zu seinen großformatigen abstrakten Farbfeld-Bildern.
Unterstützt wurde Kurator Jasper Sharp von Christopher Rothko, dem Sohn des Malers, der wichtige Leihgeber auf der ganzen Welt für diese Schau gewinnen konnte.