Ai WeiWei über Macht und Ohnmacht

In den vergangenen Wochen sind viele Künstler aufgefordert worden, sich politisch zu positionieren. Bei ihm besteht kein Zweifel, wo er steht: Ai Weiwei bezieht Stellung – und zwar immer. Er verdammt öffentlich Putins Angriffskrieg auf die Ukraine, verurteilt die Flüchtlingspolitik der EU und benennt die Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat China. Sogar ins Gefängnis ist er für seine Überzeugungen gegangen, doch gebrochen hat ihn das nicht.
Ai Weiwei ist heute Chinas führender Dissident und Künstler, seine Kunstwerke sind mächtige Symbole, die ein breites Publikum ansprechen und immer wieder für Kontroversen sorgen. Die Wiener Albertina Modern zeigt jetzt eine umfassende Retrospektive seiner Arbeiten: Skulpturen, Filme und Installationen.

Zur Person: Ai Weiwei

Wer läßt 100 Millionen handbemalte Porzellansonnenblumenkerne in die Tate Modern kippen? Wer holt 1.001 Chinesen nach Kassel, damit die Documenta-Besucher ihnen dort beim Leben zuschauen können? Wer läßt wertvollste antike chinesische Vasen einfach fallen und zerspringen in tausende Scherben?

Ai Weiwei macht es, 64 Jahre alt und noch immer der berühmteste Künstler Chinas. Auch wenn die chinesischen Behörden und Medien versuchen den Regimekritiker totzuschweigen. Vor zehn Jahren saß Ai Weiwei in seiner Ex-Heimat China in Haft, weil er sich immer wieder für Meinungsfreiheit und Menschenrechte eingesetzt hatte. Über die Zeit der politischen Verfolgung, seine Kindheit unter Mao Zedong, seine Jahre in der New Yorker Kunstszene und über seinen Vater hat er vor kurzem in seiner Autobiographie „1000 Jahre Freud und Leid“ erzählt und damit auch Zeit- und Kunstgeschichte geschrieben. So populär wie umstritten setzt sich Ai Weiwei in seiner Kunst mit Überwachung, Zensur, Menschenrechten, Meinungsfreiheit, Menschenvertreibung, radikaler Verantwortung, der Macht der Schönheit oder der Wahrheit der Poesie auseinander. In Diagonal haben wir Ai Weiwei schon einmal portraitiert und ihn damals noch in seinem Atelier am Stadtrand von Peking besucht. Heute lebt er nach Berlin und Cambridge in Portugal, wo wir ihn zum neuerlichen Interview treffen. Bevor ihm die Albertina Modern in Wien im März 2022 die umfassendste Ausstellung ausrichtet, die es je mit seiner Laufbahn gegeben hat, legen wir verschiedene Steinchen aus Vergangenheit und Gegenwart zu einem akustischen Mosaik.

Diagonal zum Thema Lyrik. Texte im XS Format

Wie die Malerei wird die Lyrik immer wieder einmal totgesagt. Wieviele lesen schon Gedichte? Aber genauso oft steht sie wieder auf. Irgendwie scheint das konzentrierte Spiel mit der Sprache vielleicht doch etwas Menschliches, allzu Menschliches zu sein. Poetisches Erleben als Grundbedürfnis. Reime, Rätsel, die unendlichen Tiefen hinter den Wörtern, die Lust, die Laute zu schmecken. Der deutsche Lyriker Jan Wagner wurde 2017 mit dem Georg Büchner Preis ausgezeichnet, Bob Dylan bekam für seine Balladen den Literaturnobelpreis, Marianne Faithfull interpretiert auf ihrem letzten Album „She Walks in Beauty“ romantische Gedichte, so, dass man überhaupt nicht mehr aufhören kann, ergriffen zu sein.

Philosophie der Migration. Diagonal zum Thema: Zusammenleben

„In der vom Nationalstaat beherrschten politischen Landschaft ist der Migrant ein Unwillkommener und wird beschuldigt, anderen ihren Platz streitig zu machen,“ schreibt die italienische Philosophin Donatella di Cesare in ihrem Buch „Philosophie der Migration“. Im Rahmen einer existenziellen und politischen Philosophie der Migration, die auf globale Gerechtigkeit ausgerichtet ist, reflektiert die 1956 in Rom geborene di Cesare, dass es kein territoriales Recht gibt, das eine Politik der verallgemeinerten Zurückweisung rechtfertigen könnte. Für sie bilden Wohnen und Migrieren keine Gegensätze, wie der noch in den alten Vorstellungen von Nationalstaaten, Grenzen, Völkern und Mauern geschulte Gemeinsinn meint. Im neuen Zeitalter der Mauern und Grenzen, in einer mit Internierungslagern für Flüchtlinge übersäten Welt, spricht sich Di Cesare für eine Politik der Gastfreundschaft aus, die sich auf eine Loslösung vom eigenen Wohnort gründet, und umreißt auf diese Weise einen neuen Sinn des Zusammenwohnens in unserer globalisierten Welt. Diagonal betritt mit Donatella di Cesare ein Experimentierfeld – mit neuen Sichtweisen auf eines der virulentesten Themen unserer Zeit, dessen Bewältigung in Begriffen wie Flüchtlingsströme, Wirtschaftsmigranten, illegale Einwanderer, abgewiesene Asylwerberinnen sowie in der allgemeinen Verweigerung festzustecken scheint. Ein Aspekt wird dabei aber außer Acht gelassen: der Menschliche.

Das neue Munch-Museum

In Oslo wird mit Infrastruktur-Projekten und Kulturbauten nicht gekleckert, sondern geklotzt, sollen sie doch für internationales Renommee sorgen. Alles drängt ans Wasser, zum Fjord, zum Meer .

So auch das neue dreizehnstöckige Munch-Museum, dessen oberer Gebäudeteil sich wie der griechische Buchstabe „Lambda“ nach vorne neigt und so der Stadt und dem Fjord seine Reverenz zu erweisen scheint.

Das weltweit größte Museum, das einem einzigen Künstler gewidmet ist, wird jene Sammlung von fast dreißigtausend Werken beherbergen, die Edvard Munch einst der Stadt Oslo vermacht hat. Zwar war eine neue Heimat für die Werke von Norwegens bedeutendstem Künstler längst überfällig, die Konstruktion wie auch die Kosten von rund 200 Millionen Euro waren freilich nicht unumstritten.

Diagonal goes wild. Zum Thema: Wildnis

Je weniger es davon gibt, desto attraktiver erscheint sie: die Wildnis. Echte Wildnisgebiete außerhalb der ohnehin unbewohnbaren Gebiete an den Polen, in den Wüsten und im Hochgebirge gibt es kaum noch. In Österreich nehmen sie heiße 0,12 % der Fläche des Staatsgebietes ein. In dieser Welt bleibt eben kaum Platz für den Urwald. Den braucht der Mensch für anderes: Infrastruktur-, Siedlungs- und Agrarflächen.

Madonna oder Kurtisane. Tizians Frauenbild im KHM

Mit einer Schau der Superlative begibt sich das Kunsthistorische Museum Wien auf Aufholjagd, will man doch das Publikum, das pandemie-bedingt auf der Strecke geblieben ist, endlich wieder ins Museum locken. Zum 130. Geburtstag, den das international renommierte Haus Mitte Oktober feiert, hat sich Direktorin
Sabine Haagund ihr Team Besonderes einfallen lassen. 

Diagonal zum Thema „Normalität“ Status Quo, Komfortzone, Kampfbegriff. Diagonal zum Thema „Normalität“

Plötzlich war alles anders. Nicht an den Arbeitsplatz, in die Schule, ins Restaurant gehen. Niemanden treffen. Keine Feste, Feiern, Zusammenkünfte. Keine Reisen, Sportveranstaltungen, Theaterabende. Das vor der Pandemie so oft als langweilig oder ungerechtfertigt normierend verpönte Normale wurde mit dem Ausnahmezustand zur Sehnsucht, zum Traum, zum Desiderat. Das Normale als das Gewünschte erlebt in Krisenzeiten Aufwind. Schon während Trumps Präsidentschaftswahlkampf hatte der Begriff diese positive Bedeutung angenommen.

Allesnichtmachen. Diagonal zum Thema Nichts tun

Das Copyright für den Hashtag „Allesnichtmachen“ liegt freilich bei den Kollegen von „Willkommen Österreich“. Aber hat sich nicht doch auch „Diagonal“ über die Jahre als eine Speerspitze dieses Appells präsentiert? Raus aus dem Hamsterrad, alle Tätigkeit sein lassen – wie oft haben wir nicht hart daran gearbeitet, Ihnen das „Nichtstun“ schmackhaft zu machen: Sendungen zum Thema „Faulheit“, „Müßiggang“, „Entschleunigung“ bis „Nicht arbeiten“ beweisen das.