Helmut Lang

IM: Helmut Lang sie stellen jetzt zusammen mit zwei Künstlerinnen in der Kunsthalle in Wien aus mit Jenny Holzer und Louise Bourgeois diese Arbeit für die Kunsthalle, die ja eine Installationsarbeit ist, ist die sehr viel anders als die Arbeit an Ihren Kollektionen, ihren Kleidern?

HL: Ja, ich mein, das ist ja auch der Sinn des Ganzen. Im Grunde genommen hat es nichts mit meiner Arbeit sonst zu tun, es hat eben nichts mit Mode und Bekleidung sonst zu tun. Das heißt im unmittelbaren Sinne, sondern es hat mehr mit den Gedanken, die dazu führen, dass man dann überhaupt etwas definiert, zu tun.

I: Wie ich zufällig weiß, ich habe natürlich noch nichts gesehen und auch sonst davor gesehen, gibt es eine Installation mit Spiegeln.

HL: Ja das klingt fast zu modisch, wenn ich das so sage. Was eigentlich passiert ist, es sind Reflexionen meiner Arbeit, 1993 bis 1999. 1999 deswegen, weil wir ja immer zeitvorverschoben präsentieren und die werden auf eine große Glasplatte, die mit einem spezial Spiegelfilm überzogen ist, projeziiert und was eigentlich stattfindet, was das wichtige daran ist, dass der Betrachter, Besucher oder wer auch immer, sich eigentlich selbst im Spiegel sieht und sich das Image mit ihm verbindet oder er in eine wie auch immer Aktion tritt. Dass es einen Prozess von Gedanken auslöst, die im Grunde genommen auch meine Gedanken sind, bevor meine Arbeit ins Materielle übergeht. Was mir daran gefällt ist auch so, dass der Spiegel, oder eine Art Spiegel, es ist kein richtiger Spiegel, sich selbst sieht, ganz brutal, dass man entweder das Image sieht, dass man auch beides sich selbst und das Image sieht in welchem Fokus man sich selbst dem ganzen entgegenstellt und ich hatte vor zwei Jahren mit der Jenny eine Sache gemacht, und da hab ich mich damals mit dem Geruch der Kleidung beschäftigt, was auch so ein Thema ist, das sonst nie auslebbar ist und diesmal sind es eigentlich so die vielen kurzen und langen Überlegungen, die überhaupt dazu führen das machen zu können, was ich mach. Und gleichzeitig betrifft das nur mich, auf der anderen Seite betrifft es aber jeden, weil in dem Moment wo man sich selbst irgendwo wahrnimmt muss man sich damit auch auseinandersetzen.

I: Der Spiegel ist ja kunstgeschichtlich ein großes Thema seit vielen vielen Jahrhunderten. Mögen Sie Spiegel, finden Sie Spiegel als etwas erschreckendes?

HL: Ich glaube man denkt gar nicht so viel darüber nach, außer wenn man so speziell gefragt wird. Es ist so eine Alltäglichkeit, es gibt fast kein Entkommen, jeder benützt ihn einfach, morgens ohne nachzudenken. Das ist manchmal erfreulicher, manchmal erschreckender. Ich habe glaub ich einen ganz neutralen Zustand dazu, wie zu einem Gebrauchsgegenstand, im Speziellen ist das hier jetzt nicht, es geht gar nicht so um den Spiegel, es geht mehr um die Verbindung sagen wir mal der Wirklichkeit meiner Arbeit mit der realen Wirklichkeit, was ja auch passiert bis zu einem bestimmten Punkt ist meine Arbeit meine Arbeit und dann wird sie irgendwie der Öffentlichkeit übergeben und diese Interaktion wird einfach nur praktiziert faktisch, aber es geht gar nicht so sehr um den Spiegel, sondern um die Verbindung dieser beiden Wirklichkeiten, der Wirklichkeit der Arbeit mit der realen Wirklichkeit.

I: Bildende KünstlerInnen arbeiten unter sehr viel geringeren äußeren Druck und Umständen als Sie jetzt als angewandter Künstler. Beneiden Sie sie um diese Freiheit oder ist dieses Ausrichten der eigenen Arbeit auf eine gewisse Funktion schließlich und endlich eine Herausforderung für Sie?

HL: Ich würde sagen, was ich mache ist sehr vielfältig und sehr kompliziert, der Ablauf ist ganz kleinteilig und erstreckt sich über lange Zeit. Saisonsbedingt es gibt den schnellen Wechsel, man ist gebunden an gewisse Zeitpunkte. Das glaube ich ist was ich am meisten vermisse, dass man nicht die Freiheit des Zeitpunktes hat. Man kann sonst so Ausstellungen viel präziser planen oder man kann sich einfach mehr Zeit nehmen. In der Bekleidung ist das einfach so, dass das saisonal ist. Ansonsten glaube ich mache ich das jetzt so lange, dass ich vermute, dass ich den Frieden damit gefunden habe, mit dem was ich mache. Das ist auch das Interessante, oder warum ich so Projekte mache, ich hab ja in meinen frühen Jahren sehr viel mit dem Kurt Kocherscheid gesprochen. Da war es sehr versichernd von ihm zu hören, dass die Schwierigkeit irgendwo anzufangen oder gar nicht wissen was ein Anfang und ein Ende ist, was ist eigentlich eine kontinuierliche Geschichte, dieses Annähern an eine Sache, dass das fast unabhängig ist von dem, was man macht, dass da eine ähnliche Kompliziertheit herrscht. Und das war dann auch mit der Jenny so und auch bei der Louise die ja sehr verschiedene Geschichten haben, die sich aber dann doch alle sehr persönlich mit der Welt auseinandersetzten und das war auch das gemeinsame Interessante mit der Jenny und der Louise zusammenzuarbeiten, dass sich alle im Grunde Gedanken auf einer sozialen Ebene machen und so mit einem Stück Seele verbunden und das dann so ganz verschieden formulieren, so wie der Kurt sehr interessiert war an allem und sehr engagiert und aus irgendeinem Grund formuliert sich dann die Entscheidung im Kopf warum man was wie definiert. Das ist ein Punkt, den man gar nicht genau erklären kann und dieser gemeinsame Zustand oder diese gemeinsame Findung, Annäherung und was auch wichtig ist, die Kommunikation miteinander, das ist eigentlich das Aufregende. Dass dann vielleicht in dem Fall der Künstler die Umsetzung weniger kompliziert ist obwohl ich das bezweifle, man muss sich immer auf der Seite des Anderen stehen um zu begreifen wo die Kompliziertheit liegt. Ich glaube es ist so in Ordnung wie es ist.

I: Diese Perioden die Sie einhalten müssen, sind ja gewisse Deadlines und manchmal sind ja auch Deadlines inspirierend.

HL: Ja das ist überall so, das ist auch sicher in der Kunst so, soweit ich das von meinen Freunden kenne, die man nimmt sich einfach alle Zeit die man haben kann um sich vorzubereiten um Dinge zu erforschen. Es geht ja immer darum eine andere Grenze zu erreichen, die man vorher nicht erreicht hat und man nimmt sich die Freiheit die Zeit zu nehmen, damit das auch ein Ergebnis wird, das man so irgendwo mit sich herumträgt. So gesehen ist die Deadline für alle dann ein Zeitpunkt wo man gezwungen wird sich konkret zu formulieren.

I: Versuchen Sie manchmal auch diesen Druck von außen zu reduzieren. Ich denke daran, dass Sie ja auch einmal schon keine Schau gemacht haben, wo es an der Zeit gewesen wäre und Ihre Sachen ins Internet gestellt haben. Versuchen Sie so diesen Umständen zu entgehen, ist das eine rein pragmatische Entscheidung oder wie sieht das aus?

HL: Das war ja eigentlich auch eine Präsentation.

I: Oder gehört es zum Konzept, das wollte ich sagen.

HL: In meiner Geschichte war das schon länger ein Thema, aber nie der Zeitpunkt dafür da war um das durchzuziehen und ich mir die Freiheit nehme auch weiterzudenken wie man Dinge präsentiert und wir haben auch vorher in Paris sehr große Shows gemacht, dann sehr kleine, was sehr ungewöhnlich war, für elitäres Fachpublikum, haben das dann aber gleichzeitig von einer französischen Fernsehstation ins Fernsehen übertragen lassen, also so dass der demokratische Aspekt nicht verloren geht. Was gefehlt hat, war eigentlich das Internet, das heute ja eines der wichtigsten Medien ist. Neben dem Fernsehen ist es eigentlich das stärkste Kommunikationsmittel. Für die Zukunft glaube ich machen wir klassische Präsentationen mit dem Internet kombiniert. Grund, dass das Internet ein fester Bestandteil für uns ist, ist glaube ich auch so die Idee, dass die Arbeit nie im Gesamten präsentiert werden kann. Dass eigentlich glaube ich, nie wirklich jemand überlegt hat in der Mode. Es wird nämlich immer nur einem kleinen Fachpublikum gezeigt aber eigentlich ist es nie einem breiten Publikum zugänglich sondern das wird nur zugänglich gemacht in ganz kleinen Abschnitten und das kommt dann darauf an welche Zeitschriften man gerade liest oder welchen Fernsehausschnitt man gerade sieht, aber nie in der Gesamtheit, was eigentlich absurd ist, weil gerade die Mode, wie sich jetzt in den 90er Jahren bewegt hat, ist so öffentlich geworden und die Information darüber aber ist so zensuriert fast, zensuriert in dem Sinne, dass es einfach auf die Möglichkeiten ankommt, die man zur Verfügung hat um eben ein Werk in seiner Gesamtheit zu sehen. Im Internet kann man eben das komplette Werk sehen, wenn man so will, vergleichbar mit einer Ausstellung, wo am Eröffnungstag auch Fachpresse und Prominenz eingeladen wird, aber dann ist es eben frei, damit sich jeder anschauen kann und sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden kann. Und das finde ich ist eigentlich das richtige Prinzip und um das aber auch zu formulieren, hatten wir das in der ersten Saison nur auf das Internet verlegt. Die klassische Präsentation bleibt deswegen wichtig, weil die Stimmung, die bei einer klassischen Präsentation ist, wo doch aus der ganzen Welt Kapazitäten auf diesem Gebiet zusammenkommen, entwickelt sich ein eigenes Gefühl, dass durch nichts ersetzbar ist, aber ansonsten glaube ich eben die Möglichkeit sein Werk darzustellen und damit eben so verstanden zu werden, wie man das beabsichtigt ist sehr wichtig.

I: Reagieren Sie auf solche Stimmungen bei Präsentationen?

HL: Ja ich selbst bin eigentlich der, der davon nichts mitbekommt, weil ich ja während der Präsentation im Backstagebereich bin und es ist nur für das Publikum spürbar außerhalb. Das ist eines der Dinge, das ich wirklich vermisse und wo ich weiß dass ich das nie erleben werde.