Bauen für alle. Zum Thema Infrastruktur

Moderation: Ines Mitterer Regie: Andrea Hauer

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ATMO: Keuchen Capri

Mod.: 921 in den Felsen gebaute Steinstufen, grob behauene Oberfläche, steil und unregelmäßig hoch, begleitet von niedrigen Steinmäuerchen auf beiden Seiten, lange Zeit – mehr als 2400 Jahre lang – war diese Treppe die einzige Verbindung vom Hafen in Capri nach Anacapri oben auf der Anhöhe.

ATMO: Keuchen Capri hoch

Mod.: Die Scala Fenicia ist damit eine der ältesten noch heute funktionierenden Infrastrukturen Europas – auch, wenn sie nicht von den Phöniziern gebaut wurde, wie der Name suggeriert, sondern wohl so gegen 600 vor unserer Zeitrechnung von den antiken Griechen, die sich hier im Golf von Neapel niedergelassen hatten. Die späten Romantiker haben dann gedacht: „phönizisch“ klingt doch einfach besser und antiker und seitdem keucht man eben auf der „Phönizischen Treppe“ den steilen Hang hinauf und kreuzt dann im 21. Jahrhundert angekommen, doch auch wieder eine Straße: die ist allerdings auch eine Ingenieursleistung der Sonderklasse, wie sie da quasi in den Fels hineingeschnitten wurde.

ATMO: Treppe mit Strasse

Mod.: Seit geschätzt 101 Generationen also hatschen die Menschen die „Scala Fenicia“, die Treppe hinauf – seit knapp 4 Generationen erst gibt es das Automobil und es hat das Aussehen der Erde so etwas von verändert. Das Auto hat uns enorme Mobilität, Fortschritt und Wohlstand gebracht, aber auch Zerstörung und eine veritable Klimakrise. Heute ratenVerkehrsexperten zu Alternativen: Zug, Fahrrad und eben: Zufußgehen….

OT Emberger: enkeltauglich in die vergangenheit Wenn man Kriterien hernimmt, wie Energieverbräuche, Flächenverbräuche, aber natürlich auch Inklusion, kann sich das jeder leisten, wie schaut das Ganze aus, ist das enkeltauglich und so weiter. Also wenn man Systemindikatoren hinnimmt, dann sieht man ganz deutlich, dass ein Verkehrssystem der Zukunft fast wie ein Schritt in die Vergangenheit ist.

Mod.: Günter Emberger leitet den Forschungsbereich „Verkehrsplanung und Verkehrstechnik“ an der TU in Wien. Und vielleicht fragen Sie sich zu diesem Zeitpunkt schon, was es mit diesem Sendungsbeginn auf sich hat…. Die Antwort folgt auf den Fuß:

MK: Diagonal heute zum Thema: Infrastruktur – Bauen für alle, präsentiert von Ines Mitterer.

Mod.: Da dieses Thema ja kein kleines und quasi daueraktuell ist, nehmen wir uns die ersten offiziellen Bahnfahrten durch den neuen Koralmtunnel zum Anlass, einmal darüber nachzudenken, was funktionierende Infrastruktur so ausmacht. Unter anderem mit dem deutschen Journalisten und Autor Hanno Rauterberg. Er schreibt in der „Zeit“

Zitat Rauterberg: Infrastruktur ist Selbstlosigkeit

Fast die gesamte Infrastruktur – Straßenlaternen, Parkanlagen, Fußgängerbrücken – verdankt sich einem kollektiven Wollen und dem Glauben daran, dass man heute etwas erdenken, planen und errichten muss, damit morgen oder auch erst übermorgen die Welt anders ausschaut. Infrastruktur hört sich nach Technik an, gemeint ist aber Selbstlosigkeit: die allgemeine Bereitschaft, etwas ins Werk zu setzen, das sich erst für künftige Generationen rechnen wird.

Mod.: Daran hapert es ein wenig, meint Rauterberg und an der Bereitschaft, der Infrastruktur auch den Wert zuzusprechen, die sie ausserhalb des reinen Funktionierens hat.

Zitate Rauterberg: Infrastruktur ist Freiheit

Obwohl unsere Gesellschaft sehr viel reicher ist als die des 19. Jahrhunderts, ist sie zugleich arm und verknausert, wenn es um immaterielle Werte geht. Was sich einst in der Schönheit des Nützlichen zeigte, in den kühnen Bahnhofshallen und majestätischen Brücken, waren ja nicht bloß Zuversicht oder Stolz. Es war vor allem eine Erfahrung der Freiheit. Genau das bedeutet Infrastruktur: Mir wird vieles abgenommen. Ich kann mich freier bewegen, weil es Brücken gibt und ich kein Boot brauche, um ans andere Ufer zu gelangen. Zur Freiheit gehört auch, auf meinem Weg durch die Welt nicht permanent durch Fäkalien und Abwässer stapfen zu müssen, denn es gibt Siele, Kläranlagen, eineInfrastruktur, die mir viele Krankheitskeime vom Leib hält. Erst Infrastruktur ermöglicht einer Mehrheit der Menschen ein gelöstes, emanzipiertes Dasein.

Mod.: Ein paar Einblicke dazu gibt es in den kommenden zwei Stunden. Das Inhaltsverzeichnis:

MK: Darum prüfe, was sich ewig bindet

ATMO: Brücke Proteste

Mod.: Seit der Gründung Italiens gibt es die Idee Festlanditalien über eine gigantische 3,3 Km lange Brücke mit Sizilien zu verbinden. Jetzt will Verkehrsminister Salvini diesen kühnen Plan realisieren. Viele sind dagegen. ATMO hoch!! Cornelia Vospernik berichtet aus Süditalien.

MK: Zug fährt ab!

Mod.: In einer Woche fahren die ersten regulären Züge durch den Koralmtunnel. Stefan May ist schon Probegefahren und staunt über die österreichische Tunnelbauexpertise.

MK: Bewegt euch!

Mod.: Kaspar Arens fährt mit dem Rad und konsultiert Fachleute, wie Wien in dieser Sache zu Paris werden kann.

MK: Die Seidenstraße und das arktische Meer

Mod.: Die neue Seidenstraße ist höchstens eine „Seidenroute“ und sie führt an Europa vorbei. Erich Klein über Handelsrouten in der Arktis, die dank Klimawandel nicht mehr nur Utopie sind.

MK: Kleinmöbel und Musik

Mod.: Horst Widmer schaut, was ein funktionierendes Dorfleben ausmacht und geht einkaufen, während Nicole Dietrich die Seeinfrastruktur am Bodensee beim Eisbaden testet. Gespräche mit dem Mobilitätsexperten Günter Emberger und dem Journalisten und Autor Hanno Rauterberg werden wir einflechten, genauso wie Musikstücke, in denen gefahren, gegangen, kritisiert und protestiert wird. Als erstes aber ein Lob der Infrastruktur, angestimmt von Funny van Dannen:

🎼 Funny van Dannen Infrastruktur​​​​​​​​2.56

Mod.: Diagonal heute zum Thema: Infrastruktur, bauen für alle. Was beim ersten Hinschauen und Nachdenken vielleicht wünschenswert und notwendig erscheint, wie eine Brücke, die für Bahn und Auto den Stretto di Messina, die Meerenge von Messina überspannt, kann beim zweiten Blick schon wieder problematisch erscheinen. Noch nie wurde eine Hängebrücke in dieser Länge realisiert: 3,3 Kilometer liegen zwischen Sizilien und dem Festland, das übersteigt alle bisherigen Rekorde. Die Brücke stünde in einem der seismisch aktivsten Gebiete Europas, ob sie so sicher gebaut sein kann, dass sie Erdbeben und Tsunamis standhält, wird bezweifelt und Umweltschützer fürchten, dass die gewaltigen Konstruktionen die Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen würden. Deshalb gibt es Protest – Cornelia Vospernik hat sich umgehört.

BT: Sizilien Brücke Vospernik​​​​​​​​9.47

Mod.: Cornelia Vospernik über den Ponte sullo Stretto, die geplante Brücke nach Sizilien, die sogar schon ins Liedgut Kalabriens Eingang gefunden hat. Da singt etwa Otello Profazio, ein sehr erfolgreicher Cantastorie, in einem seiner Gstanzln: Wozu dient die Brücke des Staunens, wenn es keine Struktur und keine Infrastruktur gibt? Wenn die Autobahnen ruiniert sind und die Gassen Straßen genannt werden!… Wir sind Kalabrier und Sizilianer… Jetzt wollen wir einen auf Amerikaner machen! Die Brücke über die Meerenge soll den unterentwickelten Süden verbinden! „Il Ponte“ Otello Profazio 1978!

🎼Il ponte / Otello Profazio Album: Profaziate vol. 4​​​​2.31

Mod.: Otello Profazio “Il Ponte”, der etwas polemische Nachsatz lautet auf Deutsch: Der Süden kommt voran! – im Rollstuhl! Lange Zeit hatte man auch auf der Südbahnstrecke in Österreich das Gefühl, dass die Prioritäten im Land anderswo liegen….Uralte Waggons, müde Lokomotiven, lange Fahrzeiten und Lücken im Fahrplan – das soll jetzt anders werden. Ab kommenden Sonntag geht die neue Südstrecke in Betrieb: von Wien über Bruck und Graz nach Klagenfurt, was die Fahrzeit um eine Dreiviertel Stunde verkürzt. Stefan May ist für die Ö1 Sendung Dimensionen und Diagonal schon einmal im Zug mitgefahren…..

BT Koralmtunnel / Stefan May ​​​​​​​​13.37

MUSIK: „Crazy Train“ Ozzy Osbourne Vorl. 0.32

Mod.: berichtet Stefan May von seiner Probefahrt durch den Koralmtunnel. Und damit es hier bei uns nicht nur vernünftig zugeht, besteigen wir den nächsten Zug mit Ozzy Osbourne.

MUSIK hoch

Mod.: Wenn die Welt schon verrückt spielt, dann ist es vielleicht das Klügste, die Gleise zu verlassen und auf einen anderen Zug aufzuspringen, in dem Fall Ozzy Osbournes „Crazy Train“ – da heisst es ja gleich am Anfang:„Maybe it’s not too late To learn how to love And forget how to hate….”.Das lassen wir einmal so stehen in diesem vorweihnachtlichenDiagonal zum Thema Infrastruktur.

In der Verkehrsinfrastruktur werden ja Straße und Bahn gern gegeneinander ausgespielt. Bahn gut, Straße schlecht, ob das wirklich so ist, fragen wir an der TU in Wien Günter Emberger, Vorstand des Instituts für Verkehrswissenschaften. Angesichts der großen Bahntunnelprojekte in Österreich gibt er bei aller Zustimmung zum Bahnverkehr prinzipiell auch zu bedenken, dass nicht alle interregionalen Großprojekte für alle beteiligten Regionen von Vorteil sind.

OT Emberger koralmbahn + OT kärnten der Koralmtunnel auf der einen Seite interessant ist, weil er ja eine komplett neue Verkehrsrelation aufmacht. Also die Verbindung Klagenfurt-Graz hat es vorher so nicht gegeben und jetzt werden da sehr große Veränderungstendenzen oder Entwicklungstendenzen erwartet, werden wir sehen, ob das alles eintritt. Wir wissen aus der Verkehrsforschung, dass wenn Sie zwei Punkte verbinden, dass meistens das größere, also das schwerere, den ganzen Vorteil abziehen wird. In diesem Fall wird das Graz sein und da sind schon einige Bedenken hier, welche Entwicklungen hier in Kärnten auftreten werden. Es könnte also passieren, dass Kärnten ein wenig zu einer Schlafstadt degradiert wird, dass Arbeitsplätze Richtung Graz abwandern. Das kann man nicht sagen. Also hier wird man anschauen müssen, welche Begleitmaßnahmen hier in Zukunft durchgeführt werden.

Mod.: Fest steht, dass man mit jedem Verkehrsinfrastrukturprojekt das Verhalten der Menschen auf Jahrzehnte festschreibt. Gibt es ein funktionierendes Netz an öffentlichem Verkehr, dann nutzt man es auch; baut man Strassen wird man auch in Zukunft Autoverkehr ernten und das ist keine Option, sagt Emberger. Oberstes Gebot in der Verkehrsplanung ist die Einhaltung der Klimaziele, er nennt es gern nicht „nachhaltig“, sondern „enkeltauglich.

OT Emberger Autobahn in Ö Weltmeister generell ist das österreichische Autobahnnetz, wenn man es international vergleicht, sehr, sehr, sehr lange. Wir haben fast 200 Kilometer Autobahn pro 1 Million Einwohner. Das ist, wenn man es in europäischen Vergleichen anschaut, ein sehr, sehr langes Autobahnnetz. Wir wissen, dass es noch 1, 2, 3 Lückenschlüsse gibt, sogenannte Lückenschlüsse, die in den 70er, 80er, 90er Jahren ins Bundesstraßengesetz aufgenommen worden sind, die unter den damaligen Voraussetzungen da hineingekommen sind, die noch nicht fertig gebaut sind. Sie sind ja deswegen nicht fertig gebaut worden, diese Lückenschlüsse, weil es die teuersten Strecken sind.

Mod.: Stichwort Lobautunnel. Der geplante, aufs Eis gelegte und jetzt wieder aufgetaute Tunnelbau ist nämlich nicht nur den Naturschützern ein Dorn im Auge und trägt eher nicht zum Sparen bei der Produktion von CO2 bei, er hat auch eine sehr geringe Wertschöpfung für die Region.

OT wenig Wertschöpfung Und jetzt ist natürlich der Wunsch da, oder noch immer der Glaube da, dass man mit Bauprojektendie von öffentlicher Hand gezahlt werden, weitere wirtschaftliche Aktivitäten oder Wachstumsschübe hervorbringen kann. Wir wissen aber zum Beispiel, dass, wenn Sie Geld investieren, wenn Sie eine Steuermilliarde investieren, dass wenn Sie in höherrangige Straßennetze bauen, die Wertschöpfung am geringsten ist. Wenn Sie zum Beispiel in öftlichen Verkehr investieren, das heißt den Nahverkehr ausbauen oder das gleiche Geld, die gleiche Milliarde hernehmen und für Fußgeherzonen oder für Radinfrastruktur hernehmen, dann hätten Sie einen viel größeren Wertschöpfungsanteil für Österreich und auch viel mehr Arbeitsplätze geschaffen. Das wird halt leider Gottes nicht unbedingt immer so gesehen.

Mod.: Ausserdem ist Österreich ganz vorne mit dabei, wenn es um Bodenversiegelung geht. Da spielt Verkehrsinfrastruktur auch eine große Rolle, nicht nur Straßen, Autobahnen oder Kreisverkehre, jeder Supermarkt, jedes Einkaufszentrum braucht seinen Riesenparkplatz, am Land oft genug auf der kurz davor noch landwirtschaftlich genutzten grünen Wiese gebaut. Boden ist nur was wert, wenn er vergoldet werden kann, heisst: verbaut werden kann.

OT Wirtschaft Ressourcenverbrauch Das Problem ist ja auch die Art und Weise, wie wir wirtschaften. Wir haben seit 1940, kann man sagen, eine Wirtschaft, die auf Bruttonationalwachstum aufgebaut ist. Und dieses Bruttonationalwachstum ist weitergehend auf Ressourcenverbrauchwachstum aufgebaut. Und solange wir eine Wirtschaft haben, wo sie belohnt werden, oder am meisten Gewinn machen können, indem sie Ressourcen verbrauchen, die wir aber nicht mehr haben, die einfach bei einer Weltbevölkerung von 9 Milliarden Menschen, 8,2 Milliarden Menschen einfach nicht mehr da sind. Solange wir das haben, haben wir da eine sehr große Diskrepanz zwischen was wollen wir tun, was sollen wir tun und den wirtschaftlichen Erfordernissen der derzeitigen Wirtschaft.

Mod.: Und, was sollen wir jetzt tun?  

OT enkeltauglich in die vergangenheit da sieht man sehr deutlich, dass wenn man diese Kriterien hernimmt, wie Energieverbräuche, Flächenverbräuche, aber natürlich auch Inklusion, kann sich das jeder leisten, wie schaut das Ganze aus, ist das enkeltauglich und so weiter. Also wenn man Systemindikatoren hinnimmt, dann sieht man ganz deutlich, dass ein Verkehrssystem der Zukunft fast wie ein Schritt in die Vergangenheit ist. Das heißt, wir sollten unsere Mobilitätsbedürfnisse befriedigen können, indem wir zu Fuß gehen. Das ist sehr gesund. Wir haben ein bisschen ein Problem mit der Gesundheit der Menschen, weil wir einfach zu wenig Bewegung machen. Wir sollten sehr viel Bewegung machen oder wir sollten das Rad nutzen für ein bisschen weitere Distanzen. Und hier nur in Einzelfällen das E-Bike, also nur wo es topografisch notwendig ist, aber nicht überall. Und das ist mal wichtig, also das Verkehrssystem sollte im Nahbereich auf diese zwei Verkehrsmittel aufgebaut sein und im Fernbereich müssen wir auf die Schienen umsteigen, weil es das einzige System ist, welches ökologisch tragfähig ist, wo man…Wenn man wieder Österreich anschaut, wo wir in der Lage sind, den Treibstoff, sprich den Strom in Österreich zu erzeugen, wir also die Abhängigkeiten von Ausland reduzieren können. Also da sollte man die Abhängigkeiten verringern. Also das heißt, ein zukünftiges, endgültiges Verkehrssystem muss aufgebaut werden dahingehend, dass wir die Mobilitätsbedürfnisse befriedigen können bei zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad und mit dem öffentlichen Verkehr.

Mod.: sagt Günter Emberger, einer der führenden Verkehrsexperten des Landes. Apropos Land: auch in diesem Jahr 2025 haben wir fruchtbares Land versiegelt als gäbe es einen Ersatzplaneten. Der WWF Österreich hat aus diesem Anlaß die Bundeshymne umschreiben lassen. Es singt der V.O.I.C.E Chor: „Viel verbautes Österreich“

🎼 V.O.I.C.E Chor – Vielverbautes Österreich (Quelle: Youtube)​​3.14

Mod.: Vielverbautes Österreich – eine recht unverklärte Hymne auf unser Land, geschrieben auf Initiative des WWF und dargebracht vom VOICE Chor.

Diagonal zum Thema Infrastruktur heute und bisher waren wir eher überregional und im großen Rahmen unterwegs – jetzt schauen wir aufs Land mit Horst Widmer.

BT: Dorfinfrastruktur / Widmer​​​​​​7.09

Mod.: Horst Widmer über Einkaufserlebnisse im Dorf. Ma sött, also man sollte nicht vergessen, was ein gelingendes Dorfleben ausmacht – jenseits der Bundesstraße, die davon weg oder daran vorbeiführt. Gut möglich, dass man beim Einkaufen auch auf Nachbarn stößt, die einem sagen, was man zu tun hat …. Darum geht es in diesem Lied von„Alldra“:„Ma sött“

MUSIK: Alldra / Ma sött​​​​​​​2.16

Mod.: „Ma sött“ von Alldra aus – unüberhörbar –  Vorarlberg. Und jetzt fahren wir mit Kaspar Arens, mit Fritz, Uli und Hannes in den Süden……

BT Fahrradinfrastruktur / Arens​​​​​​8.52​​

MUSIK: Yves Montand – La Bicyclette ​​​​​ 2.44

Mod.: Tja, Wien darf ruhig Paris werden, was Radinfrastruktur betrifft. Yves Montand hat sich auf den Drahtesel geschwungen. Und wenn es ein bisschen weiter sein darf, dann nimmt man das Rad einfach mit in die Bahn.

Man sollte, Infrastruktur mehr schätzen – wertschätzen. Das hat Hanno Rauterberg, Kollege von der „Zeit“ in seinem Artikel „Eine Feier der Selbstlosigkeit“ vorgeschlagen und letztlich hat uns das zur Idee dieser Sendung gebracht. Ausgegangen war er von Gedanken zum maroden Zustand der deutschen Bahn, die sich mit ihrem Plurisystemversagen auf social media inzwischen selbst auf den Arm nimmt.  Die Serie heisst: Boah,Bahn! Wir sitzen alle im selben Zug:Protagonistin ist die Entertainerin Anke Engelke als erfindungsreiche Schaffnerin….

Ausschnitt: Boah, Bahn! ​​​​​​​​​0.42

Mod.: Wir sind jetzt über die noch schnellere Infrastruktur nach Hamburg in die Redaktion der Zeit gekommen, nämlich über das Internet und fragen Hanno Rauterberg, was ihn zu seinen Gedanken über den Wert von Infrastruktur bewogen hat ….

BT: Gespräch Rauterberg ​​​​​​​​​8.42

Mod.: drüber: Augen- und Menschfreundliches Stadtmobiliar macht viel aus – erwiesen ist ja auch, wenn Infrastruktur schön und gepflegt ist, wird sie seltener vandalisiert.  

MUSIK: The Silk Road Ensemble mit Yo Yo Ma / Yanzi (Swallow Song) (aus SILK ROAD JOURNEYS : BEYOND THE HORIZON)

Mod.: Wir wechseln jetzt zu interkontinentaler Infrastruktur und verreisen mit dem Silk Road Ensemble und dem Chellisten Yo Yo Ma auf der Seidenstraße nach China. Ein Schwalbenlied ist das.

MUSIK: hoch

Mod.: Das Silkroad Ensemble und Yo Yo Ma von ihrem Album „SILK ROAD JOURNEYS : BEYOND THE HORIZON”. Die alte Seidenstraße führte mit mehr als 6000 Kilometern Länge von China, meistens von den Städten Chang’an oder Luoyang nach Europa – niemand machte die ganze Strecke auf einmal – größere Städte waren Umschlagplätze, man gab die Waren weiter und weiter … in Samarkand, Buchara, in Nischapur, Bagdad oder Teheran bis in Antiochia, Konstantinopel oder Venedig Endstation war.  

Die neue geopolitische Lage im 21. Jahrhundert erfordert jetzt neue interkontinentale Verbindungen, denen man dann auch gern das Label „Neue Seidenstraße“ umhängt  – und wie so oft ist das gute alte Europa da jetzt nicht mehr der Nabel der Welt. Mit Peter Schweizer, Professor für Kultur- und Sozialanthropologie von der Uni Wien reist Erich Klein jetzt weit Richtung Nordosten, dahin, wo sich Russland und Alaska fast treffen, zur Beringstraße.

BT Seidenstrasse / Klein​​​​​​​​11.22

Mod.: Die zwei Seiten des Fortschritts: Erich Klein war das im Gespräch mit Peter Schweizer. Und jetzt darf Bob Dylan ein Infrastrukturwunder besingen, den Grand Coulee Dam am Columbia River – ein Projekt des New Deal von Präsident Roosevelt, als in den USA noch viel Geld ausgegeben wurde für die Senkung der Arbeitslosigkeit und die Ankurbelung der Wirtschaft durch die Modernisierung der Infrastruktur im großen Stil: Strassen, Brücken, Schulen und Krankenhäuser wurden da gebaut und eben riesige Staudämme für die Stromproduktion. Das Lied „Grand Coulee Dam“ stammt von Woody Guthrie und war eine Auftragsarbeit. Bob Dylan singt es im Jänner 1968 in der Carnegie Hall in New York…..

MUSIK The Grand coulee dam/Dylan​​​​​2.57

Mod.: Mit Wasser und Infrastruktur geht es auch weiter, wir wechseln aber wieder vom Macro ins Micro: Nicole Dietrichwar an der “Pipeline“, der rund 2 km langen Uferzone zwischen dem Bregenzer Hafen und Lochau ein öffentlich zugänglicher, intensiv genutzter Erholungs- und Freizeitbereich am Bodensee. Neben dem Rad- und Spazierwegweg, dem Kiesufer und dem alten Militärstrandbad sind vor allem die zwei Stege Anziehungspunkte für Mensch und Tier – Hund und Wasservogel, alt und jung, arm und reich, einheimisch und migrantisch … aber auch derlei Seeinfrastruktur muss gewartet und gezahlt werden…eine dezemberliche Reminiszenz an die Badesaison.

See und Steg / Dietrich​​​​​​​5.52

Sign.

Mod.: Der nächste Sommer kommt bestimmt! Das war ein Diagonal zum Thema Infrastruktur – Bauen für alle. Das ergäbe natürlich Stoff für 10 Sendungen, wir haben ein paar Punkte herausgepickt. Lektüreempfehlungen und die Musikliste finden sich auf oe1.orf.at/diagonal und das Gespräch mit Hanno Rauterberg gibt es in voller Länge als „Diagonal gefragt“ Podcast auf sound oder einer anderen Plattform ihres Vertrauens.

Sign hoch:

Mod.: Studiotechnik: Ralf Gabriel, Georg Janser, Manuel Radinger, Othmar Habeler-Bergsmann und Fridolin Stolz. Gesprochen haben: Andreas Maurer, Rafael Sas, Ursula Scheidle und Bernhard Eppensteiner. Mit Beiträgen von Kaspar Arens, Nicole Dietrich, Erich Klein, Stefan May, Cornelia Vospernik und Horst Widmer. Regie: Andrea Hauer. Moderation und Redaktion: Ines Mitterer

Kommende Woche geht’s in Diagonal schaurig zu: Titel: Der neue Horror. Zur Aktualität des Schreckens.

Diagonal, immer samstags, 17.05h

INTERN