Stadtporträt Havanna. Warten auf den Wandel.

mit Johann Kneihs und Thomas Mießgang

Plötzlich wollen alle hin. Jahrzehntelang gab die kubanische Hauptstadt das Bild der verfallenden Schönen, unverdorben vom kapitalistischen Weltgeschehen, arm aber stolz, kultiviert und ach so musikalisch! Jetzt, nach ersten Schritten zur Lockerung des US-amerikanischen Handelsembargos, das die Insel seit Jahrzehnten im Schwitzkasten gehalten hat und der Möglichkeit für die Habaneros, eigene kleine Restaurants oder Läden zu eröffnen und damit an „richtiges“ Geld heranzukommen – jetzt bewegt sich langsam etwas unter der Staubdecke der immerwährenden Revolution. Ausländische Investor/innen stellen sich an, um die Segnungen der Zivilisation in Form von Hotelanlagen, Golfplätzen und Ferienressorts in die einstige „Perle der Karibik“ zu bringen. Viele Kubaner/innen dagegen hoffen auf wirtschaftlichen UND politischen Wandel. Denn nach wie vor sind Meinungsfreiheit und Menschenrechte ein heikles Thema, das öffentlich nur sehr zaghaft diskutiert wird. Trotzdem: Man riecht karibische Frühlingsluft in der kubanischen Hauptstadt, die Millionen Touristen bisher so geschätzt haben, weil sie eben mit keiner anderen Großstadt der Welt vergleichbar war: keine Logos, keine internationalen Ketten, dafür Schlitten aus einer Zeit, in der Automobile noch Charakter hatten. Koloniale Pracht und städtebaulicher Notstand Tür an Tür. Kommen jetzt zeitgenössische Glas-Beton-Wolkenkratzer dazu? Wohin entwickelt sich Havanna? Die Momentaufnahme einer Stadt am Beginn einer neuen Ära.

Gilberto Gil

Er war bis 2008 der wohl glamouröseste Kulturminister, den Brasilien je hatte: der Musiker Gilberto Gil. Ein Superstar nicht nur in seiner Heimat, sondern weltweit. Mit 53 Alben ist er seit den frühen 1960er Jahren eine fixe musikalische Größe, sein politisches Engagement galt stets dem sozialen Ausgleich und dem Schutz der Umwelt. Gestern war Gilberto Gil im Konzerthaus in Wien zu Gast.

Marilyn Manson

Brachialrocker Marilyn Manson kann neben einer Sammlung in Platin veredelter Rockalben auf eine erkleckliche Zahl an Gerichtsverfahren verweisen. Manson, bürgerlich Brian Hugh Warner, ist heute in Wien um eine weitgehend unbekannte Facette seines Werkes vorzustellen: Aquarell-Malerei. Der US-Bürgerschreck Nr. 1, dessen Songs von Drogen, sexuellen Exzessen, Wahn und Depression handeln, beschäftigt sich schon seit langem mit dem zarten Aquarell. Bis 25. Juli zeigt die Kunsthalle Wien am Karlsplatz Auszüge aus Mansons bildnerischem Werk. Zu sehen sind verstörende Portraits und Körperstudien. Seine Seelenbilder verquälter Kreaturen werden frühen Kurzfilmen von David Lynch gegenübergestellt. Der Beitrag gibt Einblick in die Ausstellung und bringt ein Interview mit Manson.

Caetano Veloso

In Rio de Janeiro haben wir den brasilianischen Musiker Caetano Veloso getroffen, einen Mann mit sanfter Stimme und festen Überzeugungen.Seine populäre Musik mit politischer Message hat ihn nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in Europa zum Superstar gemacht. Auf ihn hören die Machtlosen wie die Mächtigen und wenn er sich in einem Konzert einmal zweifelnd über die Situation der Menschenrechte in Kuba äußert, dann antwortet tags darauf sogar ein beleidigter Fidel Castro höchstpersönlich. Mit Caetano Velosos Songs läßt sich die Geschichte Brasiliens der letzten 40 Jahre erzählen. Samstag Abend tritt er im Rahmen des Jazzfest Wien in der Staatsoper auf.

Schauplatz Uganda – Afrika Musterdemokratie und ihre kulturellen Säulen

‚Wir sind bekannt für Idi Amin, Aids und Satelliten…‘ stellt der Held in Alex Mukulus jüngstem Theaterstück ernüchternd fest. Doch Uganda, die ‚Perle Afrikas‘, hat mehr zu bieten. Zaghaft entwickelt sich nach den schweren Jahren der Diktaturen und Bürgerkriege eine kulturelle Szene in Uganda. Nicht nur in der Hauptstadt Kampala, in der Theaterzampano Alex Mukulu den korruptionsanfälligen Eliten im Nationaltheater regelmäßig die Leviten liest, sondern auch auf dem Land, wo die Entwicklungstheatertruppe ‚Ndere Troupe‘ Unterhaltung, Information und Ausbildung bietet. Ines Mitterer hat diese Truppe begleitet und stellt die Theaterszene der jungen Musterdemokratie vor.

Zucchero

Der italienische Blues-Popstar Zucchero hat ein neues Album, Zu-&-Co herausgebracht.

Omara Portuondo

Omara Portuondo, die große alte Dame der kubanischen Musik ist mit ihrem Programm Flor-de-Amor am 15.5.2004 im Wiener-Konzerthaus zu hören; Interview Portuondo.

Dakar en Vogue – Ein Besuch bei der Avantgarde Westafrikas

Dakar – heiß erkämpftes Ziel der gefährlichsten Rallye der Welt und eine pulsierende Metropole mit einer selbstbewussten Gesellschaft, deren Künstler sich als Avantgarde in Kunst, Mode und Musik verstehen. Dakar exportiert Popstars wie Youssou N’Dour, Kunstwerke von Documenta-Künstlern wie Amadou Kan-si oder die Kreationen der afrikanischen Modekönigin Oumou Sy. Ines Mitterer besuchte die Avantgarde Westafrikas.

Gotan Project

Philippe Cohen-Solal, Christoph Müller und Eduardo Makaroff verschmelzen leidenschaftliche Tango-rhythmen mit Electronic-Sounds – dem Gotan-Project. Die Texte erzählen von Diktatur, Immigration und Überlebenskampf.