Stil. Mode. Haltung. Zur Person Elfie Semotan, Fotografin.

„Aufregend unaufgeregt“ – mit diesem Oxymoron ist in der Vogue die Arbeit der österreichischen Fotografin Elfie Semotan charakterisiert worden. Ein treffendes Urteil. Vieles von dem, was Semotan in den vergangenen 40 Jahren aufgenommen hat, wirkt heute klassisch; so, als hätte man es nicht anders fotografieren können. Ihre Fotos sind also wohl in unseren Bilderfundus eingegangen: Helmut Langs Anzüge, Palmers‘ Unterwäsche. Der ironische Twist gehört immer dazu.

Elfie Semotan selbst ist eine stilsichere Erscheinung. Eine ruhige Instanz in einem der hysterischsten Gewerbe, die es gibt: die Mode. Aber die gelernte Modemacherin nimmt sie durchaus ernst: als Zeichen, als Ausdrucksmittel, als Sprache. Sie übersetzt sie in Werbung, in Plakate, Covers oder Bildstrecken für Hochglanzmagazine. Immer auch und besonders: den Menschen im Auge, den sie fotografiert.
Schließlich war Semotan selbst Topmodel, damals in den 1960er Jahren, hat in Paris Haute Couture vorgeführt und ist so zur Fotografie gekommen.
Ihre Porträtfotos von den Berühmten und Wichtigen brauchen keine großen Inszenierungen. Wie eine Bildhauerin arbeitet Semotan das jeweils Charakteristische an den Persönlichkeiten heraus: bei Elfriede Jelinek oder Julian Assange, Benicio del Toro oder Marina Abramovic. Die Nähe von Künstler/innen und ihrer Kunst hat sich, wie das meiste in ihrem Leben, „ergeben“, weil sie es gewollt und gebraucht hat, aber nicht gesucht. Sie war mit dem „enfant terrible“ der Künste, mit Martin Kippenberger, verheiratet und davor mit dem Maler Kurt Kocherscheidt. Wechselseitige Inspirationen sieht man den jeweiligen Werken an. Elfie Semotan pflegt regen Austausch mit der Kunst und der Welt – am 25. Juli 2016 feiert sie ihren 75. Geburtstag.

Sondersendung Brasilien 2014

Hotspots Favela!
Brasilien hat sich herausgeputzt für die Weltmeisterschaft, koste, was es wolle!! Finanziell und gesellschaftlich. Und die einschneidenden Veränderungen lassen sich nirgendwo sonst so deutlich ablesen wie in Rio! Denn nirgendwo sonst liegen die Armenviertel, die Favelas, so nahe und so sichtbar im Zentrum der Stadt. Favelas wie diese, „der Complexo Alemao“ wo sich bis vor kurzem niemand hingewagt hätte, der nicht hier aufgewachsen war. Nicht nur Wohngebiet der Armen, sondern auch Herrschaftsgebiet der Drogengangs, bewaffnet bis zu den Zähnen und jederzeit gewaltbereit. Bis ins Jahr 2011. Um die Kriminalität in der Stadt für die Weltmeisterschaft und die Olympiade 2016 halbwegs in den Griff zu bekommen, schickte man die Militärpolizei in die Favelas. Ihre Aufgabe: die Drogenszene zu vertreiben und dadurch die Mordrate, den Besitz schwerer Waffen, die Entführungen und Bandenkriege zu bekämpfen. Auf den ersten Blick ist die Übung gelungen. Eine Verbesserung der Lebensqualität auch für die Favela Bewohner. Die allerdings ihren Preis hat: in den ersten 72 Stunden nach der Übernahme der ersten drei Favelas durch die Polizei sind die Immobilienpreise dort um 50 % gestiegen. Jetzt, da diese Viertel nicht mehr gefährlich sind, zieht es auch die Mittelschicht dahin, die sich wiederum die ins Astronomische gestiegenen Wohnkosten in den traditionellen Vierteln nicht mehr leisten kann. Bars eröffnen, Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten, wo sich auch Ortsfremde und Touristen schon hin trauen. Die ursprünglichen Bewohner sehen ihre neue Lage als Chance und Problem – Favela-chic und die Angst vor dem Vertrieben werden dominieren das Bild.

Copacabana
Kaiserin Leopoldina hätte es nie gemacht. Stefan Zweig schon: ein Bad im Meer zu nehmen gehörte bis vor einhundert Jahren absolut nicht zur Alltagskultur der europäisch gebildeten Brasilianer und ihrer Gäste. Erst Ende des 19. Jahrhunderts mit dem gewachsenen Interesse an frischer Luft, Gesundheit und einem gewissen Körpergefühl begannen Seebäder auf dem alten und dem neuen Kontinent zu boomen. Genau die Zeit, in der dieser Küstenabschnitt, vorher eine richtige Gstättn, durch einen Tunnel erschlossen wurde. Copacabana. Schon das Wort allein lässt vor unserem imaginären Auge einen der schönsten Stadtstrände der Welt auftauchen. Mondän, sexy, modern. In seiner Hochzeit, den 1950er und 60er Jahren brachte dieses Stückchen Erde, gerade einmal viereinhalb Kilometer Strand und weniger als acht Quadratkilometer Fläche, eine neue Musik und eine neue Körperkultur hervor: Bikini und Bossa Nova. Ein Sehnsuchtsort, an dem in diesem sonst sozial so zerrissenen Land, ein Lüftchen Demokratie und Gleichheit das Klima mildert: am Strand sind alle gleich: nur hier teilen sich Firmenchef und Hausangestellte das selbe Fleckchen Sand, mit der gleichen Berechtigung und mit dem gleichen Vergnügen. Seine Geschichte ist eine Geschichte der Moderne, wie Ines Mitterer erzählt, nicht zufällig hat hier ja auch Brasiliens Jahrhundertarchitekt Oscar Niemeyer seine Inspirationen bezogen.

Design in gelb-grün
Sao Paulo ist eine bemerkenswerte Metropole, wo schon früh neben dem großen Geld auch die große Kultur eine Rolle gespielt hat. Denn Sao Paulo, der Industriemoloch, ist auf der einen Seite rauh, hart und grob, auf der anderen Seite höchst raffiniert, voll Kunstsinn, Eleganz und konkreter Poesie. Kaffee-, später Industrie-, heute Finanzbarone machten sich als Mäzene einen Namen. Kauften Kunst aus Europa, als deren Preise – vorwiegend rund um den 2. Weltkrieg – im Keller waren und errichteten drumherum Museen. Die zweitälteste Kunstbiennale der Welt, in einem Bau von Oscar Niemeyer untergebracht, ist hier genauso zu Hause wie eine Kunstmesse, einer der besten Konzertsäle oder eine quicklebendige Designszene. Was Mailand für Europa ist Sao Paulo für den amerikanischen Kontinent: ein Mekka des Mode- und Industriedesigns. Längst werden Möbelstücke der Meister der brasilianischen Moderne wie Joaquim Tenreiro oder Sérgio Rodrigues um 100.000ende Dollar ge- und verkauft. (ein Stuhl von Tenreiro ist gerade um 300.000 USD versteigert worden!!!!) Die so witzigen wie schlauen Entwürfe der Superstars der Szene, der Gebrüder Campana, werden von italienischen Firmen im Luxussegment hergestellt und weltweit vertrieben. Die Mischung aus europäischer Tradition, amerikanischer Moderne und einem Schuß unkonventioneller Exotik verleiht diesen Kreationen ihre Attraktivität. Ein Brancheninsider, der Sammler und Gründer der Designmesse Sao Paulo, Waldick Jatobá, führt uns durch das Reich der Begehrlichkeiten.

Dakar en Vogue – Ein Besuch bei der Avantgarde Westafrikas

Dakar – heiß erkämpftes Ziel der gefährlichsten Rallye der Welt und eine pulsierende Metropole mit einer selbstbewussten Gesellschaft, deren Künstler sich als Avantgarde in Kunst, Mode und Musik verstehen. Dakar exportiert Popstars wie Youssou N’Dour, Kunstwerke von Documenta-Künstlern wie Amadou Kan-si oder die Kreationen der afrikanischen Modekönigin Oumou Sy. Ines Mitterer besuchte die Avantgarde Westafrikas.

Helmut Lang

IM: Helmut Lang sie stellen jetzt zusammen mit zwei Künstlerinnen in der Kunsthalle in Wien aus mit Jenny Holzer und Louise Bourgeois diese Arbeit für die Kunsthalle, die ja eine Installationsarbeit ist, ist die sehr viel anders als die Arbeit an Ihren Kollektionen, ihren Kleidern? HL: Ja, ich mein, das ist ja auch der Sinn… Weiterlesen »